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Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Da wacht man Morgens Ahnungslos auf und will in die Stadt, und schon steht man mit seinen Flip-Flops bis zum Kniegelenk in frischem, heißen Asphalt!
Was bitte, passiert hier in unserem beschaulichen Dorf? Seit Jahren ist die Dorfeinfahrtstraße in einem sehr erbärmlichen Zustand. Jahrelang wurde die steile Dorfeinfahrt immer wieder mit Beton geglättet, um regelmäßig danach sofort wieder aufgerissen zu werden. Telefonleitungen, Wasserleitungen, Kanaldeckel, ständig wird irgendwas ein- oder ausgebuddelt. Demzufolge war die Straße „etwas“ uneben. Aber man gewöhnte sich daran, das vor der Kirche regelmäßig ganze Radsätze wegradiert wurden um die Steigung zum Dorfplatz zu erklimmen. Ich hatte da mein ganz eigenes System entwickelt! In einem Fußmarsch hatte ich jedes Schlagloch vermessen und deren Tiefe analysiert und einen genauen Auffahrt- und Ausweichplan
entwickelt. Mit Alfred, dem 30 jährigen VW-Bus, testet ich mehrmals die Ideallinie, um ungeschoren nach oben zu fliegen. Vor der Kirche in den 1. Gang und dann Vollgas, rechts und links schwenkend um die Schlaglöcher. Das klappte eigentlich immer ganz gut, solange einem von vorne keiner entgegen kam. War das der Fall, gab es nur den Rückweg und dabei saß man dann schon mal auf der Kirchmauer. So wie vor einer Woche, als ein Tourist mit seinem Mietauto wie eine Schildkröte ohne Bodenkontakt sein Auto auf der Mauer parkte. Und nun fand ich heute Morgen ganze Lkw-Kolonnen mit frischem Asphalt und dieses Monstrum von Asphaltmaschine vor unser Dorfauffahrt. In welchem Zusammenhang, mag das wohl stehen? Ach ja, es ist ja Wahlkampf und da gibt es “kleine Wahkampfgeschenke” um die Bürger auf seine Seite zu ziehen!
Zurück zu den Straßenbaumaßnahmen in unserem Dorf. Lefteri, unser Bürgervorsteher steht stolz vor
der dampfenden Asphaltmaschine, dreht Pläne hin und her und versucht sich einen Überblick zu verschaffen. Vergebens, das Fach gab es auf der Bürgervorsteherschule nicht. Lefteris Hauptproblem besteht aber daraus, das er vergessen hat, die Bürger über sein Vorhaben zu informieren, geschweige denn eine Straßenabsperrung vorzunehmen. Ständig kommen Autos von zwei Seiten, stellen fest, das kein Durchkommen ist und müssen rückwärts zurück. Aber wohin, wenn bereits 20 Autos hinter einem stehen? Mir langsam in die Tasche grinsend, beziehe ich Position auf der alten Ruine gegenüber der Kirche und verfolge genüsslich das aufkommende Chaos! Der „Bauleiter“ steht mit fünf Arbeitern in der dampfenden Masse und stellt voll Begeisterung fest, das er gerade alle Kanaldeckel zu asphaltiert hat, worauf Lefteri den Mundwinkel hochzieht und sagt „Macht doch nichts“!

Am meisten aber imponiert mir der Mann auf der Straßenwalze, den ich gedanklich sofort als „Bob den Baumeister“ bezeichne. Elegant fährt er zwischen den Arbeitern hin und her und brüllt ständig Anweisungen, die im Lärm keine Sau versteht. Wer sich nicht sofort aus seinem Walzweg entfernt, könnte schon Morgen ganze Forschergenerationen als Fossilienfund begeistern! Plötzlich Unruhe! Verdammt, da stehen ja noch Fahrzeuge auf dem Parkplatz vor der Kirche, wo doch Asphaltiert werden soll! Der Bauleiter gibt durch einige schwenkende Handbewegungen Anweisungen
rundherum zu teeren, worauf mir sofort gründlich das Lachen vergeht. Denn bei einem Kameratechnischen Stellungswechsel erkenne ich meinen eigenen VW-Bus zwischen den Autos. Zu spät! Mit einer Bitumenspritze jaucht ein Arbeiter kurzerhand um das Heck meines Busses und vergisst dabei auch nicht, den Unterbodenschutz des Busses zu erneuern. Wie ein Gestörter laufe ich los, um zu retten was zu retten ist. Schon nach wenigen Metern bleibe ich aber mit meinen Flip-Flops im weichen Asphalt stecken. Wütend erreiche ich unter hämischer Anteilnahme der Bauarbeiter den Bus und schwinge mich auf den Fahrersitz. Schlüssel ins Schloss und drehen.....und? Nichts! Warum hatte ich bloß vergessen, nach dem letzten Ausflug das Radio abzustellen? Nun war die Batterie leer und es gab kein Entkommen vor den angehenden „Lackpflegeprofis“. 3 Stunden später sollte
hinter meinen Wagenheck eine 20 cm hohe Straßenschicht das Licht der Welt erblicken und sämtliche „Anschiebebemühungen“ im Keim ersticken! Was liebte ich mal wieder diese Insel! Zwischenzeitlich traf ein Trupp Dorffrauen von einem Stadtbesuch mit Schuhkauf ein und versuchten die frische Straße zu passieren. Lefteri ahnte Böses und lotste die Frauen zusammen mit Papas über die Kirchenmauer vorbei an der Asphaltmasse. Zu spät – Griechische Frauen verstehen manchmal schwer, und so
tappt die erste mit Ihren neuen Schuhen ins Reich der schwarzen Masse! Was für ein Geschrei! „Bob der Baumeister“ war aber sofort zur Stelle und beseitigte die Schuhabdrücke samt des runtergefallenen Kartons! Ich wollte gerade wieder Position in der alten Ruine beziehen, als mir aus versehen die Äste eines alten Feigenbaumes umknickten. Die austretende Wolfsmilch blieb an meinem Knie hängen und ätzt sich bereits in die oberen Hautschichten, als mir klar wurde, das der Tag sofort zu beenden sei, bevor weiteres Ungemach über mich hereinbrechen würde. Wieder mal ein nettes Erlebnis aus dem ruhigen Maroulas.......
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