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Die letzten Jahre verbrachten wir den Abend des Ostersamstag im Kloster von Arsani. Wir haben uns dieses Jahr ein anderes Highlight ausgesucht, die Zeremonie in der Kirche von Adele. Vorweg aber einige Worte zum Ablauf im Kloster Arsani. Das Kloster ist an diesem Tag ein Anziehungspunkt für den gesamten Kreis Rethymnon. Ab 20:00 Uhr säumen hunderte von Fahrzeugen den Weg hoch zum Kloster, und entsprechend voll ist es in der Kirche und dem Innenhof davor. Der Abt zelebriert mit den Mönchen einen stundenlangen Gottesdienst anlässlich der Auferstehung Cristus. Über Lautsprecher dringen die Gesänge bis zu den Anwesenden vor, die keinen Platz in der Kirche fanden. Vor der Kirche kann man Kerzen für ein bis zwei Euro erwerben.
Zwischen 22:00 Uhr und 23:00 Uhr entzündet der Abt eine zwei Meter große Kerze und symbolisiert damit den Zeitpunkt der Auferstehung. “Christus ist auferstanden” schallt es aus den Lautsprechern. Der Abt reicht die Flamme der Symbolkerze weiter an die ersten Umstehenden. Jeder reicht nun die Flamme weiter an den nächsten, bis der Innenhof im Licht der Kerzen erhellt ist. Danach trägt jeder seine Kerze zum Fahrzeug und versucht sie brennend bis nach Hause zu bekommen, wobei (grins) schon einige Autos in Flammen aufgegangen sein sollen. Zuhause angekommen, wird unter dem Türeingang mit der Kerze ein Rußkreuz angelegt. Durch das Kreuz soll das Haus gesegnet sein.
Soweit zum letztem Jahr in Arsani. Nun aber zum Fest am 22.04.2006 in unserem kleinen Nachbardorf Adele. Im Jahr 1993 bezog ich mit meiner Familie die erste Wohnung in diesem Dorf und daher zieht es mich gerne zurück in diese vertraute Umgebung. In “Alfred”, unserem 31 jährigen T2 VW Bus ging es mit Bruder und Schwägerin runter ins Dorf.
Am Dorfeingang gibt es einen schönen großen Parkplatz, den man nutzen sollte, denn innerhalb des Dorfes findet man, wegen den engen Gassen, kaum Platz. Durch die kleinen Gassen kommt man zur Hauptkirche, die von außen festlich geschmückt ist. Zunächst überfiel mich etwas Wehmut, denn neben der Kirche befindet sich das ehemalige Haus meines dänisches Freundes Mogge. Mogge musste 2003 wegen einer Krebserkrankung zurück nach Dänemark und er fehlt mir sehr! Ich beschloss deshalb für ihn eine Kerze in der Kirche anzuzünden. Die Kirche war bereits gut gefüllt und so manchen Anwesenden kannte ich von früher. Kerze anzünden, Ikone küssen und dann wieder raus, um draußen das Geschehen zu beobachten.
Auf dem Vorplatz war ein Scheiterhaufen errichtet worden, in deren Mitte ein Galgen stand. Daran hing eine Strohpuppe, die den Verräter Judas darstellen sollte. Ähnlichkeiten waren allerdings kaum vorhanden, da Judas sein weißen Gewänder in moderne westliche Jeanskleidung getauscht hatte. Als Omage auf die Fußball WM wurde der Kopf durch einen Fußball dargestellt. Innerlich musste ich schmunzeln, denn das Bild erinnerte mich an einen großartigen Abgang des griechischen Nationaltrainers Otto Rehhagel nach weiteren verpatzten WM Qualifizierungen. Vor der Kirche füllte sich nun der Vorplatz immer schneller und man wunderte sich, wie viele Leute in diesem Dorf wohnen. Archiro und Galaktie, 1993 noch kleine
Spielgefährtinnen meiner Tochter standen auch in der Menge, mittlerweile herangewachsen zu bildhübschen jungen Frauen. Bestimmt werde ich bald von deren Hochzeit berichten! Wie immer auf Kreta, sollte nicht die nötige Spur von Chaos fehlen. Welcher Dorfschelmi auf die Idee gekommen war, frische Olivensträucher zum Entzünden des Judas unter den Galgen zu legen, blieb uns unerschlossen. Sicherlich stand er schweißnass vor Scham zwischen uns in der Menge. Nach über 10 Versuchen das Feuer in Gange zu bringen, griff die Dorfjugend zu
drastischeren Mitteln. Ein Regen aus Feuerwerkskörpern der Größe XXXL Marke Kreta Super flog in den Haufen und führte zu diversen Hörstürzen der Anwesenden. Nun ja, das Feuer ging natürlich nicht an. Ich drehte mich gerade zu unseren Freunden um, und nölte was von “ Hier helfen nur 5 Liter Unleaded Super”, als schon ein Scherge mit einem 20 Liter Kanister den Schauplatz betrat. Todesmutig kippte er den Inhalt unter lautem Beifall über den Scheiterhaufen, worauf Judas verdammt schnell warme Füße bekam! Feuerwerkskörper knallten nun überall zwischen der Menge und die Dorfhunde begannen vor Angst zitternd, Ausreiseanträge in den benachbarten Libanon zu stellen. Die Luft war voller Schwarzpulverrauch, was dazu führte, das 50% meiner Aufnahmen im Computerpapierkorb landete!
Vor dem Ausgang der Kirche wurden nun große Kartons aufgestellt. In der einen Hälfte befanden sich mit roten Bändern geschmückte Kerzen, in der anderen Hälfte in Cellophan gehüllte Süßbrotteilchen. Jeder konnte sich seine Ausstattung abholen und das total Gratis! Dann erscholl aus der Kirche der bekannte Satz “ Christus ist auferstanden”. Es wurde eine Stammkerze herausgereicht, an der sich die Umstehenden das Feuer für die eigene Kerze holten. Dann ging das Feuer von Kerze zu Kerze und der Funken des Osterfestes sprang auf die Anwesenden über. In der Menge wurde es nun etwas gefährlich, angesichts der Menge an tropfenden Kerzen, deshalb verzogen sich unsere Frauen an einen “Kleiderschonenden” Ort.
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