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Wer als Urlauber auf Kreta die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verbringt, erhofft sich vielleicht ähnlich große Silvesterfeiern wie in Deutschland. Wer das erwartet, wird unter Umständen eher enttäuscht sein. Natürlich wird auch auf Kreta gefeiert, allerdings kaum mit Feuerwerk, da auch im Winter die Kreter die Brandgefahr nicht unterschätzen. Viele der Älteren sitzen im Kreise der Familie und spielen Karten oder Würfelspiele. Dieser Brauch ist schon sehr alt und man spielt sozusagen für das Glück des nächsten Jahres. In früheren Zeiten wurde in den Bergdörfern als Spieleinsatz Kastanien oder Hülsenfrüchte verwendet. Mit dem Aufkommen des Tourismus hatte man auch mehr Geld zur Verfügung und wechselte die Kastanien gegen Drachmen und neuerdings gegen den ungeliebten Euro. Noch vor einigen Jahren nahm diese “Zockerei” größere Ausmaße an und so manch Bauer
verspielte ganze Monatseinkommen.
Nach den letzten, schlechten Reisejahren sitzt das Geld aber nicht mehr so locker und so geht man meistens aus und feiern das neue Jahr in einer der vielen “Bousukia”, wie man die Tanzlokale hier nennt. Am letzten Tag des Jahres gehen die Kinder von Haus zu Haus und singen die "Kalanta", ein spezielles Lied zur Ankündigung des Protochroniá (des Neujahres). An Neujahr wird der heilige Vassílios gefeiert, Gegenbild des Nikolaus in Deutschland. Die Kinder finden an diesem Tag auch ihre Geschenke im Strumpf, was sehr an amerikanische Bräuche erinnert. Aber auch hier verwässern die Bräuche und viele Kinder bekommen ihre Geschenke bereits zu Weihnachten, woran das Fernsehen nicht ganz unschuldig ist! Aber anderseits bietet sich so für viele Kinder die Gelegenheit, zweimal Geschenke einzusacken!
Ein Brauch ist es auch, in den Familien die Vassilópita (runder Kuchen) herzustellen. Ihr wird immer eine Münze beigemischt! Der Kuchen wird Stückweise an die Familie verteilt. Es heißt das derjenige, in dessen Stück die Münze gefunden wird im Neuen Jahr vom Glück begleitet wird. Ursprünglich geht dieser Brauch auf den heiligen Vassilios, damals Bischof zurück. Der hatte seinen Gläubigen in der Kriegszeit geraten, den Schmuck und das Geld in Brote einzubacken, um es vor den Feinden zu retten. Der Anschnitt erfolgt in bestimmter Reihenfolge, das erste Stück für Jesus, eins für den heiligen Vasilios ,eins für das eigene Haus, eins für die Armen und eins für jede
s Familienmitglied. Selbst für die Abwesenden wird ein Stück zurückgelegt. Besonders die Kinder lieben diesen Kuchen, wie man auf unser diesjährigen Feier am kleinen Dimitri sehen konnte! Auch in Maroulas wurde in das Neue Jahr anständig hinein gefeiert. Es wurde wegen Proteste der Frauen auf das “Zocken” verzichtet und man schwang stattdessen in gemütlicher Runde das kretische Tanzbein! Mit über 30 Leuten begrüßten wir das Neue Jahr und schnitten die Vassilópita an. Der Finder der Münze wird sich übrigens Montag in zahnärztliche Behandlung begeben! Keiner soll also sagen, der Euro wäre keine harte Währung! Auf jeden Fall ist Maroulas gut in das neue Jahr gekommen, bis auf wenige, die noch heute in den Olivenplantagen herumirren und ihren Kater ausführen! Hier einige Momentaufnahmen der Feier vom 31. 12.2004:
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