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Neugierig wie Frauen nun mal sind, wurde das Beziehungsgeflecht weiblicher Informationstechnik optimal ausgenutzt. Als erste Quelle zapfte Anna am nächsten Tag unsere Kräuterfrau Marianna an.
Volltreffer, Marianna war sogar involviert in das Geschehen!
Anna gefiel der Gedanke, im Rahmen der Informationsbeschaffung, Martini immer einen Schritt voraus zu sein. Am nächsten Tag suchte sie deshalb Martini in seiner Ruine auf, um Ihre beschafften Informationen weiter zugeben. Während des Gespräches genoss sie es, mit typisch weiblicher Langatmigkeit die Informationsaufnahme von Martinis Gehirnhälften zu behindern. Trotzdem wurde Martini Detail für Detail über den Stand Ihrer Recherchen informiert.
Es begann alles mit einem angeblichen Anruf in Mariannas Kräuterladen. Von irgendeinem Beamten der Stadtverwaltung wurde sie „angewiesen“ ihren Laden außerplanmäßig geöffnet zu halten.
„Wie Bitte, Anna?
„Ja, der sagte angeblich, das im El Greco Hotel eine Besuchergruppe von Ministern verschiedener südlicher Länder abgestiegen sein und diese würden nun ständig irgendwo auf Kreta rumkutschiert, um Land und Leute zu verstehen. Irgend einem Beamter kam dann wohl die Webseite von Martini über Maroulas in Erinnerung, auf die er bei der Vorbereitung des Programms gestoßen war. Kurzerhand muss er beschlossen haben, die Minister auch durch Maroulas zu schleusen.
Typisch Politiker, statt sich um wirklich wichtige Dinge zu kümmern, treiben sie sich in irgendwelchen verschlafenen Bergdörfern herum!
Anna erzählte nach Luft ringend weiter, „Marianna, unsere „Dorfzeitung“ hat diese Information natürlich sofort hinter vorgehaltener Hand an irgend einen ahnungslosen Dorfbewohner weitergegeben, worauf sich die Nachricht wie ein Lauffeuer im Dorf ausbreitete. Der Bürgermeister, hoch erfreut über einen so wichtigen, hochrangigen Besuch trommelte sofort die Buschtrommeln. Ganze Notfallketten wurden per Handy in Bewegung gesetzt, um auch ja den letzten wehrfähigen Mann des Dorfes in Bewegung zu setzen Gerüchte besagen, das der Dorfpope sogar die Kirchenglocken läuten ließ!
Die Männer stoppten darauf umgehend die Melkvorgänge an den sichtlich irritierten Ziegen, ließen Haus und Hof im Stich, schlossen ihre Geschäfte und Tavernen und eilten nach Hause.
Die Gerüchteküche brodelte natürlich auch zwischenzeitlich bei den Ehefrauen, und so besagten letzte Gerüchte, das außer ausländischen Ministern auch noch der Griechische Staatspräsident, der Inselvorsteher, sowie der Bürgermeister von Rethymnon in Anmarsch waren!
Ein Angestellter des El Greco Hotels soll sogar SMS´s an ausgewählte Kreise versendet haben, mit dem Gerücht, das auch mehrere Scheichs dabei sein würden, die beabsichtigten, größere Geldsummen in die Infrastruktur von Maroulas investieren zu wollen, um den Bau einer großen Golfanlage voranzutreiben.
Da hieß es also, schnell Pomade ins Haar, Sonntagshemd an und ab in Manolis Kafenion, wo Martini gestern auf der Suche nach dem Fahrer des ihn zuparkenden Autos auf diese eigenartige Versammlung erwartungsfroher Männer getroffen war.
Für Dorfschmuck in Form von Griechischen Flaggen und Begrüßungstransparenten, soll laut Anna, trotz aller Bemühungen keine Zeit mehr geblieben sein. So saßen nun die Männer des Dorfes frisch gestriegelt im Kafenion zusammen, während Martini gestern die Mittellinie der Kurve zwei ansteuerte.
„Blickst Du jetzt etwas mehr durch?“, fragte Anna, den mit offenem Mund da sitzenden Martini.
„Ja, und dann?“, fragte Martini.
Anna erzählte nun mit leuchtenden Augen weiter. Laut ihres Berichtes soll der Konvoi mit Blaulicht an der Kirche vorbei rauf zum nördlichen Dorfplatz gedonnert sein. Die Polizei mit Blaulicht und mittlerweile Martinshorn (hat nichts Martini zu tun!), rauschte durch die enge „Mainroad“. Dahinter der Bus mit den Ministern, angeblichen Ölscheichs und nach brodeln der Gerüchteküche, unter Umständen auch ein Herr George Bush.
Der Busfahrer, immer brav der Eskorte folgend, begann dann aber das plötzlich das selbstständige Denken, als er die Breite der Gasse mit den Maßen seines Busses abglich. Er trat also voll auf die Bremse, so dass ihm die nachfolgenden Polizeifahrzeuge fast den Motor auf eine „Automechanikerfreundliche“ Größe gestaucht hätten!
Wild gestikulierend kurbelte er seine schwarz getönte Scheibe runter und brüllte unverständliche „Schnappatmungslaute“. Dabei traten ihm wohl die Augäpfel heraus und zwei ahnungslose Touristen befürchteten angesichts seines Anblicks den Ausbruch der Vogelseuche in Maroulas.
Dann soll sich die Bustür geöffnet haben und ein hochdekorierter Polizeibeamter trat auf den geheiligten Boden vom Maroulas-City.
„Verdammt, wo geht es hier zur Taverne Fantastico“, herrschte er unseren Dorfschuldigen Nektarius an, der in der Rangliste der potenziellen Dorfschuldigen an Position Nummer 2 steht, gleich hinter Position Nummer 1, die unser Schnurrbartträger Dimitri belegt. Dimitri musste diesmal aber nicht herhalten, weilte er doch zu seinem Glück in der Hauptstadt von Germany, um größere Mengen günstigen Whisky einzukaufen, den er dann in den Tavernen und Kafenias des Dorfes deponiert und jederzeit großzügig ausschenken kann, um von den ersten Plätzen der „Dorfschuldigenrangliste“ abzusteigen.
Als seinen „Stellvertreter“ vertrat ihn Nektarius aber würdevoll, und wies angesichts der strengen Frage des Polizeichefs mit dem ausgestreckten Arm in die grobe Richtung zum Fantastico, die hinter der Gasse am Berg lag.
„Du Idiot“, schrie ihn der Polizeibeamte an. „Und wie sollen wir da durchkommen, wenn Eure Gottverdammte Gasse sogar für Deinen Schädel zu eng ist? !
„Herr Polizeipräsident, verzeihen Sie uns, das wir Ihnen und den Passagieren des Busses Unannehmlichkeiten bereiten, aber wir wurden nicht über Ihr Kommen informiert, sonst hätten wir selbstverständlich Hinweisschilder zur Taverne Fantastico aufgestellt“ ereiferte sich der nun aus dem Kafenion herbeigeeilte Leichenblasse Bürgermeister!
Mittlerweile waren aus Richtung der Strandmeile weitere Autos in die Ortseinfahrt Maroulas eingefahren, und so kam es hinter dem Bus zu einem regelrechten Stau. Der Busfahrer wechselte seine Gesichtsfarbe von hochrot in Tiefgelb, was die beiden Touristen veranlasste, Angesichts der Schwere der Vogelseuche sofort die Flucht zu ergreifen!
Die Beamten in Uniform und Zivil in den Fahrzeugen hinter dem Bus sprangen nun aus Ihren Autos und witterten einen Hinterhalt. Mit gezogener Waffe suchten sie Deckung hinter jeder sich bietenden Möglichkeit. Der Polizeipräsident brüllte sie mit hochroten Kopf an, das alles in Ordnung wäre und nur diese verdammte Türkengasse zu eng für den Bus sei. Selten habe man so viele Schimpfwörter auf dem Dorfplatz von Maroulas gehört, behauptete jedenfalls Anna.
Der oberste Sheriff wies dann seine Polizisten an, ihre Stellungen aufzugeben und gefälligst das Verkehrschaos zu regeln, um mit dem Bus den geordneten Rückzug anzutreten, was natürlich ob der nachdrängenden Fahrzeuge voll in die Hose ging!
Da hatte unser Bürgermeister endlich mal einen lichten Moment und er trat ehrfurchtsvoll an den Polizeipräsidenten heran. „Herr Polizeipräsident, wie wäre es denn, wenn Ihre Gäste hier aussteigen, durch die Gasse zum anderen Ende des Dorfes gehen und dabei gleich mal unser Dorf kennen lernen? Der Bus kann ja in der Zwischenzeit versuchen umzudrehen und über die andere Dorfzufahrt heranfahren, um die Persönlichkeiten wieder aufzunehmen und in die Taverne Fantastico bringen“ flüsterte er ihm ins Ohr.
„Gute Idee, wie ist doch noch gleich ihr Name?“, klopfte ihm der Polizeichef anerkennend auf die Schulter. In der Zwischenzeit hatte auch der vorfahrende Konvoi das Fehlen des Busses bemerkt und so um die 12 Männer kamen herangestürzt und atmeten sich gleich den Anschiss ihres Lebens vom Polizeichef ein. „Ihr Idioten, wozu habt Ihr Funk in Euren Fahrzeugen? Ich versetze Euch alle in den Parkzetteldienst an die Standstraße!“
Angesichts seiner hohen Gäste soll sich der Verantwortliche aber schnell wieder gefasst haben. Er erteilte markige Befehle. „Gasse absichern, jede Tür bewachen und die Personen sichern, die unter Eurem Schutz aussteigen und nun zum anderen Ende des Dorfes laufen werden“, brüllte er in die Gasse. Irgendwie muss laut Anna auch so der Satz entstanden sein, „Durch diese hohle Gasse müssen sie kommen...., oder so ähnlich“.
Dann soll der Polizeichef sich mit großen Gesten bei den Insassen des Busses entschuldigt haben. Er bat seine Gäste doch kurzweilig auszusteigen, um ein historisches, kretisches Dorf zu besichtigen. So flanierten kurz danach, so um die 30 gut gekleideten, wichtig aussehende Männer durch unsere Dorfgasse und eine weitere Gasse von bewaffneten Polizisten. Ihre Blicke fielen als erstes in den „Kräuterladen“ von Marianna, die in Ihrem „Ökoschlabberlook“ freundlich drein grinsend versuchte, Werbeprospekte an die vorbeieilenden Minister zu verteilen, was ihr aber angesichts eines Pistolenlaufes in ihrer Augenhöhe sehr schwer gefallen sein soll.
Dann soll der Blick der Minister in das Kafenion von Manolis gefallen sein, in dem um diese ungewöhnlich frühe Zeit so um die 50 Männer bei Bier und Raki versammelt waren. Der Polizeipräsident soll Angesichts der vielen, wild aussehenden Männer und der vielen Kräutertüten in Mariannas Laden an sein Drogenproblem in der Gegend um Melapotamos erinnert worden sein und notierte sich angeblich sofort in sein kleines, schwarzes Notizbuch den Termin für eine Razzia im gesamten Dorf.
Kopfschüttelnd eilten die Minister angesichts der Arbeitsmoral der Männer des Dorfes weiter, vorbei an Archiros Kafenion, vor dem ein wild fluchender Costa von zwei bewaffneten Männern mittels Würgegriff in den Staub gezwungen wurde. Costa, unser immer zu einem kleinen Streit aufgelegter Kafenionenkel hatte die Polizisten mit seinen “Nieder mit Georg Bush Rufen voll in Rage gebracht und mußte deshalb mal wieder etwas leiden!
So schnell, wie der Spuk begann war er auch wieder vorbei......!
Der Bus nahm die Minister am südlichen Dorfausgang wieder auf und steuerte mit Ihnen zur Taverne Fantastico hinauf, die allerdings mit einem Schild
„Heute Geschlossen“
versehen war, weil Michalis, der Besitzer der Taverne Fantastico derweilen immer noch zwischen den Männern des Dorfes saß und wegen der Polizeiabsperrung nicht schnell genug zu seiner Taverne hinauf kam!
Alles in allem, ein unrühmlicher Tag in der Geschichte von Maroulas und größere Investitionen in die Infrastruktur des Dorfes werden wohl ausbleiben
Unglaublich denken Sie?
Aber so soll es passiert sein, schwört jedenfalls Anna!
Und Martini?
Der hofft, das er wegen seiner defekten Tastatur nicht zu viele Fehler n den Text gehauen hat und wartet auf die große Razzia im Dorf. An dem Tag wird er wohl nicht bei Mathios zum Krabbenessen vorstellig werden!
© by Martin Keller 2007
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