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Komboloi

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Kunooti II

Wundersame Wandlungen eines kretischen Hundes

Hauptgeschichte

Der einzig wahre KunootiAn einem warmen Sommermorgen im August war Mathios mit seinem Hund Kunooti auf dem Weg von der Arbeit im Hotel nach Hause. Kunooti durfte mal wieder hinter dem Moped herlaufen. Günstige Gelegenheit zur Fußballenstärkung, nannte Mathios es immer! In Höhe der Autobahn konnte Kunooti anscheinend nicht mehr mithalten oder wurde von einer läufigen Schönheit zum Bremsen veranlasst. Nach 2 km Fahrt merkte Mathios, das Kunooti nicht mehr hinter ihm war und drehte um. Er fuhr die Strecke mindestens 10 mal ab, konnte aber nirgends eine Spur von Kunooti entdecken. Mathios fuhr also heim und hoffte im Stillen, das Kunooti den Weg von allein nach Hause finden würde. Dieses passierte aber wieder erwarten nicht.

Mathios strich nun tagelang mit seinem Moped durch die Pampa und suchte seinen Hund. Aber so oft er auch die Hundepfeife blies oder die Mopedhupe erklingen ließ, kein freudig winselnder Kunooti tauchte aus einem Gebüsch auf! Selbst Freunde wie Martini, begaben sich auf die Suche, konnten aber auch keine Spur von Kunooti entdecken.

Mathios verfiel in schwere Depressionen, aß kaum noch und wurde nachts von Alpträumen geplagt. In seinen Träumen sah er den armen Kunooti in den Händen der kretischen Hundemafia, die mit Kunooti ein Vermögen als Rennhund verdienten. Die nächsten 14 Tage saß Mathios traurig im Kafenion und schüttete den Dorfbewohnern sein Herz aus über den herben Verlust. Das ganze Dorf mochte Kunooti, und so wurde es zur Bürgerpflicht nach dem Tier Ausschau zu halten.

Am 15 Tag erhielt Mathios dann einen Anruf des Dorfbäckers, der mit seinem Wagen auch entlegene Dörfer besuchte. Aufgeregt erzählte er Mathios, das er Kunooti in Hamalevri am Dorfplatz entdeckt hätte und Mathios doch sofort kommen möge.

Aufgeregt schwang sich Mathios auf seinen Scooter und fuhr nach Hamalevri. Am Dorfplatz sah er den blauen Lieferwagen des Bäckers stehen. Er hielt an und grüßte den Bäcker freundlich. „Wo ist denn nun mein Kunooti“, fragte er Georgus aufgeregt. „Na dort, am Kafenion sitzt er doch“ sagte Georgus. Sein Blick fiel auf einen Hund, der zwar von der Statue ähnlich aussah, aber ansonsten mit Kunooti wenig gemeinsam hatte. Sein Hund war ein brauner Hund, mit kurzem Fell und schwarzen Flecken . Dieser Hund hatte aber ein längeres Fell und war schwarz!

Enttäuscht sagte er zum Bäcker, „das ist nicht meiner, aber vielen Dank für die Hilfe“.

„Mathios, was ist los? Erkennst Du Deinen Hund nicht mehr?“ erwiderte der aufgeregte Bäcker. „Ich bin Dein Nachbar und kenne Deinen Hund wohl sehr genau! Schau wie er läuft! Ich habe Kunooti an seinem einmaligen Gang erkannt“, sagte Georgus. Mittlerweile war der schwarze Hund zu den beiden getrottet und begrüßte sie schwanzwedelnd und verlor dabei vor Freude seinen halben Blaseninhalt. „Schau doch mal Mathios, er hat doch auch die weiße Blässe auf der Brust und seine Pfoten sind weiß!“, erklärte der Bäcker überzeugend.

Mathios  kam ins Grübeln. Aber wie sollte ein Fell in 15 Tagen so lang werden und außerdem schwarz? Dieser Hund war auch viel dünner als sein Kunooti! „Mathios, ich schwöre bei der heiligen Panagia, das ist Dein Kunooti“, erklärte Georgus nun zum wiederholten Male.

Mittlerweile standen alle Besucher des Kafenions um sie herum. „Wie kann jemand seinen eigenen Hund nicht erkennen“, murmelte einer der Dorfalten. Mathiaos wurde es peinlich und irgendwie musste er sich dieser Nummer entziehen.

Der Hund schlich immer noch schwanzwedelnd um ihn herum und war offenbar auch davon überzeugt, sein altes Herrchen gefunden zu haben. „Ein Versuch ist es wert“, dachte Mathios und setzte sich auf sein Skooter. Kunooti, komm! Der schwarze Hund steuerte auf sein Skooter zu und Mathios zog ihn zwischen seine Beine auf die Trittfläche. Als er losfuhr, blieb der schwarze Hund ruhig sitzen und streckte die Nase in den Wind, so, als ob er das schon seit Ewigkeiten kennen würde. „Komisch“, dachte Mathios. Er benimmt sich wie Kunooti, aber das schwarze Fell???

Zuhause angekommen, hechtete der Hund von der Trittfläche und eilte die Treppen zu Mathios seiner Wohnung hinauf! Eigenartig, aber das schwarze Fell?? Der schwarze Hund stürzte sofort auf die Wasserschale zu, wusste genau wo diese war! Zufall? Aber das schwarze, lange Fell? Vor der Eingangstür hatte Mathios ein Fliegennetz angebracht, das Kunooti immer geschickt mit der Schnauze auseinander schob, um in die gute, verbotene Stube zu kommen. Was macht der schwarze Hund nach dem Trinken? Er schiebt mit der Schnauze das Fliegennetz auseinander und trollt sich unvermittelt auf die Hundedecke neben Mathios seinem Sofa.

 „Verdammt, was geht hier vor“ dachte Mathias! Dieser Hund benimmt sich wie Kunooti, sieht aber nicht so aus! Pschttt....Mit schweißnassen Händen öffnete Mathias ein Veltinsbier und dachte wieder mal über Seelenwanderung nach!

Nun, es gibt ja den Spruch, das Männer sich Frauen schön trinken können. Vielleicht würde ihm das ja mit dem „Schwarzen Hund“ gelingen! Sicherlich würde er nach dem zehnten Bier aufwachen und hätte sich seinen Kunooti wieder herbeigetrunken. Er betrachtet den „schwarzen Hund“ in aller Ruhe und fasste das für und wieder zusammen. Eine weiße Blässe auf der Brust hatte er tatsächlich. Seine 4 Pfoten waren weiß, als hätte er Socken an. Die letzten Krallen an den Vorderpfoten waren wie bei Kunooti etwa 10 cm oberhalb der Sohle, eine Missbildung, wie Mathios wusste. Das Hundehalsband war ab, aber das konnte noch nicht lange her sein, da man noch einen Abdruck sah.

Pschtt...., das fünfte Bier floss Mathios Kehle hinunter. Schaute der „schwarze Hund“ nicht genauso treudoof wie sein Kunooti? Trittbrettfahren, Wasserschale finden, Fliegengitteröffner, Hundedeckensofortfinder, viele Details passten. Aber das schwarze, lange, harte Fell? Wie konnte der Bäcker seinen Hund sofort erkennen, während Mathios so voller Zweifel war?Pschtt......, nach dem achten Bier kämpfte Mathias etwas mit ihm und der „schwarze Hund“ machte wie Kunooti bereitwillig und voller Freude mit.

Pschttt....,nach dem zehnten Bier war es passiert, der „schwarze Hund“ wurde ein wunderschöner Kunooti und man beschloss das gemeinsame Bett zu teilen.Am nächsten Morgen erwachte Mathios mit leichtem Hirnreißen und Der falsche Kunootivom Lecken einer wunderschönen Hundezunge. „Gut, Du bist also Kunooti, aber erklär mir Dein Fell“, flehte Mathios ihn an, ohne eine erklärende Antwort zu erhalten. Diese sollte Mathios gegen Mittag von seinem guten Freund Ingiotis erhalten.

Mathios und Ingiotis trafen sich immer mittags um gemeinsam zu kochen und dann beim Essen geschäftliche Dinge zu erörtern. Ingiotis wusste, wie sehr Mathios unter dem Verlust von Kunooti litt und war ihm in den letzten 15 Tagen eine echte Stütze gewesen.

Umso erstaunter war Ingiotis, als ihm ein fremder Hund vor Freude ans Bein pinkelte. „Mathios, alter Freund, wo hast du denn den her?“, begrüßte Ingiotis den Kartoffelschälenden Freund. Mathios unterrichtete ihn über das am Vortag erlebte und, oh Wunder, Ingiotis konnte ebenfalls sofort Parallelen zu Konooti entdecken.Ingiotis untersuchte den „schwarzen Kunooti“ ausgiebig. Er strich durch sein hartes, schwarzes Fell und schnupperte eigenartig daran. Dann begutachtete er den abgemagerten Körper des Tieres, die Blässe, die Pfoten und die Ohren und nickte dabei immer wissend mit dem kahlen Kopf. Dann setzte sich Ingiotis an den Küchentisch und brachte die fehlenden Mosaiksteine in einer wortreichen Erklärung zusammen.

„Weißt Du Mathios, ich finde das der Hund verdammt nach Karbolineum stinkt! Weißt Du nicht, was das zu bedeuten hat?“ „Ochi“, antwortet Mathios.„Kunooti wurde von einem Griechen eingefangen und damit er nicht gefunden wird, hat er einfach sein Fell mit Karbolineum umgefärbt! Ein alter kretischer Trick des Hundeklau! Das wächst mit der Zeit heraus!“ Mathios sah ihn fassungslos an. Warum war er da nicht selber drauf gekommen?„Aber warum ist das Fell so lang?“, fragte Mathios.

„Ganz einfach, Kunooti ist 15 Tage weggewesen und bei Hunden wächst unter Angst und Stress das Fell schneller! Und warum er so dünn ist, dürfte Dir doch wohl klar sein! Der hat 15 Tage nichts zu fressen bekommen, damit er dem Entführer gefügig wird!“ Mathios fiel es wie Schuppen von den Augen! Das waren die Erklärungen, die er brauchte!

Kunooti, Opfer einer Entführung! Und er hatte an seinem Hund gezweifelt! Nun drückte er seinen alten Weggefährten Kunooti fest an seinen Körper und vergoss dabei fast ein paar Freudentränen. Ingiotis hatte ein IO von 165 und seine Erklärung waren Hieb und Stichfest und so feierte man die wundersame Wandlung vom „schwarzen Hund“ in Kunooti.

Am nächsten Tag bekam er gegen Nachmittag Besuch von Wawara und Annastasia. Mathios hatte Wawara am Morgen angerufen und erzählt, das Kunooti gefunden worden sei. Nach ihrer harten Arbeit als Reinigungskräfte in einer Appartementanlage, wollten sie bei Mathios noch in Ruhe bei einem Bier den gefundenen Kunooti begrüßen.

Beide kannten und liebten Kunooti. Besonders an Wawara hatte Kunooti gefallen gefunden, was er regelmäßig dadurch bewies, das er vor Freude die gesamte Terrasse von Mathios einnässte. Als Wawara und Annastasia die Terrasse betraten, sprang ihnen ein „schwarzer Hund“ entgegen, den sie nicht kannten, der aber genau so wie Kunooti seine Ergüsse über die Terrasse schwemmte.

„Wo ist Kunooti? Wer ist den dieser Hund?“ fragte Wawara. Mathias holte aus und erzählte die ganze Geschichte, erzählte von seinen anfänglichen Zweifeln und dem Untersuchungsbericht von Ingiotis. Die beiden Frauen schauten abwechselnd zu Kunooti und Mathios und brachen dabei immer wieder in schallendes Gelächter aus. „Das soll Kunooti sein? Was willst Du uns denn hier für eine Geschichte erzählen“, prustete Wawara heraus. Verärgert zog Mathios die Augenbrauen hinauf und wiederholte seine Geschichte ein zweites Mal. Wollten ihn diese Weiber nicht verstehen? Männer sammeln Fakten und diese sprachen noch wohl eindeutig dafür, dass dieser Hund Kunooti war! „Du meinst also, ein Entführer hat Deinen Hund mit Karbolineum eingefärbt? Hat er dann vorher die weiße Blässe an seiner Brust mit Zeitung abgeklebt, oder warum ist die nicht auch schwarz?“, gurgelte Wawara lachend zu Annastasia! Mathios wurde es zu dumm und er ignorierte ihr Gelächter.

Die beiden Frauen haben selten so gelacht, wie in den nächsten Tagen! Egal, wo sie waren, erzählten sie die Story von Kunooti und hatten die Lacher auf Ihrer Seite! Keiner glaubte im ein Wort und man zweifelte ernsthaft am Verstand von Mathios. Wawara erzählte die Story natürlich auch ihrem Ehemann Martini, der darüber aber nicht lachen konnte, weil er Mathios als kompetenten Analytiker kannte. Kurzerhand schleppte Wawara Ihren Mann mit zu Mathios, damit dieser sein Urteil zu Kunooti abgebe sollte. Zuerst lachte auch Martini über den „schwarzen Kunooti“, aber dann überzeugten ihn die Fakten von Mathios! Er gestand seiner Frau, das der „schwarze Hund“ zu 10% Restzweifel Kunooti sein könnte und er sich nicht sicher sei! Darauf hin zweifelte Wawara auch an seinem Verstand und teilte es jedem mit, der es hören wollte. Mathios, Ingiotis und Martini mussten sich den nächsten Tagen durch die harte Schule der Häme. Bis sich das Blatt wendete!

Wawara erhielt einige Tagespäter einen Anruf von Mathios!

 „Weißt Du was Wawara? Kunooti hat wieder sein ursprüngliches Fell!“.

 „Was?????“,stöhnte Wawara. „Ja, ich habe Kunooti mit Verdünner gewaschen und tatsächlich ist die Verfärbung von dem Karbolineum wieder raus aus dem Fell. Und Dank meines guten Futters hat er auch wieder sein Normalgewicht!“ .

Wawara und Annastasia rasten zu Mathios und schauten sich Kunooti an. Tatsächlich sah Kunooti so aus, wie vor der „Entführung“. Beide konnten es nicht fassen und beschlossen, diese Geschichte einem Wunder gleichzusetzen und zündeten abends in der Kirche zwei Kerzen an.

„Männer sind halt doch bessere Analytiker“, feixte sich Wawaras Mann, Martini, und freute sich darüber, das seine Frau endlich mal mundtot gemacht war!

Wir wären aber nicht auf Kreta, wenn die Geschichte nicht noch weitergehen würde!

Wie Frauen nun mal sind, hocken sie ständig zusammen, um ihre 22.000 tägliche Silben loszuwerden. So saßen Wawara und Anastasia in den folgenden Tagen nach der Arbeit in der Taverne Kelami.Man saß zusammen und tauschte Informationen aus, als plötzlich Ingiotis hereintrat und sich zu den Frauen setzte. Wawara konnte es nicht lassen und musste Ingiotis noch mal auf die Kunooti Story ansprechen.

Es wurde wieder herrlich gelacht und als das Lästern zu Ende war, schmunzelte Ingiotis vor sich hin und sagte dann ganz ruhig: „Und nun ist er auf dem Weg nach Deutschland“. „Wer?“ „Der schwarze Hund!“ „Häh, verstehe nur Bahnhof“, sagte Anastasia. „In diesen Moment wird in Heraklion eine Transportkiste mit einem schwarzen Hund nach Deutschland verschickt!“, sagte Ingiotis und schmunzelte erneut! „Mach uns nicht verrückt und erzähl uns die ganze Geschichte“, forderte ihn Wawara auf.  Während es den Frauen die Sprache verschlug, begann Ingiotis zu erzählen:

„Ihr wisst ja, das Mathios den schwarzen Hund nicht ohne meine Mitschuld als Kunooti angenommen hat. Nun kommt´s! Vor zwei Tagen am Abend stand nun der „wahre“ Kunooti vor seiner Haustür und verlangte nach ausgiebiger Streunerei und wahrscheinlicher Liaison mit einer Hundedame um Einlass. So blass soll Mathios noch nie gewesen sein! Mathias ließ den wahren Kunooti herein und dieser jagte dann den falschen Kunooti die ganze Nacht durch den Garten. Sie wurden keine wahren Freunde. Das Doppelpack nach der Entlarvung

In dieser Nacht litt Mathios Höllenquallen! Wenn diese Geschichte herauskam, würde er zum Gespött aller Dorfbewohner und Freunde. Das müsste er sich die nächsten 20 Jahre anhören! Es gab nur eine Lösung für Mathios! Der „schwarze Hund“ alias „falscher Kunooti“ musste weg! Weit weg! Erschießen? Nein! Dazu war er zu sehr Tierfreund! Also kam er auf die Idee, den örtlichen Tierschutzverein um Hilfe zu beten. Tja, und nun haben die den schwarzen Hund nach Deutschland vermittelt!“Fassungslos starrten die beiden Frauen sich an! Reingelegt! Verarscht! Von einem Wesen der Gattung „Neandertaloshirnlosios“! „Uns hat er davon bislang nichts erzählt, dieser Wurm“, schnaubte Wawara vor Wut! Annastasia bemerkt süffisant: „Das schöne bei der Geschichte, ist ja, das er nicht ahnt, das wir nun von seinem Eigentor wissen! Ob er uns das wohl jemals freiwillig erzählen wird?“. „Der wird sich hüten, das zu erzählen“, bemerkte Wawara. „Warten wir mal ab ob er es macht“ sagte Annastasia und ihre Augen glänzten vielsagend!

Seit dem Beginn der Geschichte sind nun fast vier Monate vergangen und Mathios wiegt sich in Sicherheit! Aber er ahnt nicht, was 22.000 Silben am Tag alles ausrichten konnten. So kennt nun jeder seiner Freunde seit Wochen die Geschichte und er?

Ahnt es nicht, bis er diese Geschichte liest.........

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© by Martin Keller November 2006

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