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In diesen Hitzetagen mit über 41 Grad brütet das Dorf Maroulas vor sich hin, was liegt da näher, als an den Strand zu fahren über das Brüten zu schreiben!
Unser erster Kontakt sollte für beide Seiten in schlechter Erinnerung bleiben. Das erste Zusammentreffen lag 14 Jahren zurück.
Im Jahr 1993 wagte ich den Schritt in Richtung Selbstständigkeit auf Kreta. Mit meinem Parasailingboot erweiterte ich das Wassersportangebot in den Wassersportstationen der drei Grecotel´s in Rethymon, indem ich vom Plattformboot Gäste in luftige Höhe brachte. Dazu musste ich jeden Morgen vom Hafen in Rethymnon zu den Hotels schippern. Ein 350 PS Mercury Innenbordmotor brachte das Boot ganz schön auf Touren und so genoss ich jeden Morgen diese Highspeedtour. Bis zu unserem ersten Zusammentreffen. !
Eines Morgens in Höhe des El Greco Hotels, knallte es ganz fürchterlich im Schraubenbereich und danach lief die Schraube unrund. Was war passiert? Ohne es zu ahnen, war ich über eine der seltenen Karettschildkröten gelaufen. Ihr Panzer war allerdings härter als meine Schiffsschraube. Als ich die Maschine stoppte, konnte ich dieses Ungetüm an der Wasseroberfläche ausmachen. Sofort sprangen wir ins Wasser und schwammen zu dem Tier und umrundeten es. Es hatte auf dem Panzer eindeutige Schraubenspuren, die jedoch nur die Oberfläche des Schutzpanzers angekratzt hatten.
Irritiert und etwas benommen berappelte sich die Schildkröte aber nach wenigen Minuten und tauchte schnell ab. Der Schraube ging es dagegen schlechter. Ein Blatt war total verbogen und musste ausgetauscht werden. Seit diesem ersten, dramatischen Zusammentreffen üben diese Tiere eine besondere Faszination auf mich aus. Was wusste ich damals schon von Riesenschildkröten auf Kreta? Nichts!
In den nächsten 14 Jahren mieden mich verständlicherweise alle Schildkröten im Bereich der Nordküste. Von da ab war aber meine Neugier für die Brutwanderung der Karettschildkröten geweckt. In jedem Frühjahr besuchte ich die Gelege der Schildkröten, die vom Schildkrötenschutzverein „Archelon“ gesichert werden. Auf Veranstaltungen des Schutzvereines erfuhr ich, wie bedroht diese Tierart durch den Tourismus ist. Mein Wunsch, noch einmal so ein Tier zu erblicken, sollte aber zunächst nicht in Erfüllung gehen.
Letztes Jahr traf ich dann auf das Camp der Internationalen Schildkrötenschützer. Versteckt zwischen Olivenhainen im Bereich Stavromenus hatten Jugendliche aus verschiedenen Ländern unter der Schirmherrschaft von „Archelon“ , dem Sea Turtle Protection Society of Greece, ein Zeltcamp errichtet.. Von dort aus zieht es sie ab Mitte Mai jede Nacht an die Strände von Rethymnon. Zwischen 22:00 und 6:00 besteht die Aufgabe dieser Individualisten darin, der Schildkröte die Eiablage zu erleichtern.
Leider wird es für die Schildkröte immer schwerer zwischen Hotelstränden, lauten Discotheken und Strandpartys den Gang aus dem Wasser zu wagen. In Vorträgen bitten sie die Hoteliers und Touristen um Rücksichtnahme in dieser Jahreszeit. Viele Kreter ahnten lange Jahre nichts von den Uhrzeittieren, die ihre Strände aufsuchen. Nur wenige Lebewesen überlebten das Zeitalter der Dinosaurier. Die unechte Karettschildkröte ist eines von Ihnen, und Kreta beherbergt noch heute einige der letzten Brutgebiete innerhalb des gesamten Mittelmeerraumes. Rethymnon, Chania und die Bucht von Messara sind lebenswichtig für die Zukunft dieser extrem vom Aussterben bedrohten Tierart. Geleitet von ihren Instinkten kehren die Weibchen immer an den Strand ihrer Geburt zurück, um ihre Eier abzulegen. Sind diese Gebiete von Menschen überfüllt und hell erleuchtet, werden sie nicht nisten und damit letztlich aussterben.
Durch die Arbeit von „Archelon“ konnte aber das Bewusstsein geweckt werden und es gibt nun viele Hotelbesitzer, die nach 22:00 die Strandbeleuchtung löschen, um der Karetschildkröte ein Anlanden im Schutze der Dunkelheit zu ermöglichen. Die Schützer beobachten die Eiablage und zählen die Bestände. Sollte sich eine Schildkröte einen Brutplatz zwischen Liegestühlen ausgesucht haben, setzen die Schützer diese Nester in weniger gefährdete Bereiche um.
Nach einer Entwicklungszeit von 55 Tagen entstehen aus den Eiern kleine Babyschildkröten. Der warme Sand übernimmt dabei die Brutarbeit des Muttertieres, denn sie verschwindet sofort nach der Eiablage in den Weiten der Meere. Nur ein einziges von Tausend Babyschildkröten überlebt und erreicht das Erwachsenenalter.
Vielleicht ist ja schon mal der eine oder andere am Strand auf die gelb-blauen Schutzgestelle gestoßen und hat sich gefragt, was die wohl bedeuten. Die Schützer stülpen diese Schutzgestelle direkt über die Eiablagestelle und legen dazu einen Stein der mit Datum der Eiablage und einer Registrierungsnummer versehen wird. Liegt ein Nest im gefährdeten Bereich, wird es umquartiert in eine Sammelstelle, die einem Bereich in Rethymnon liegt. So wird sichergestellt, das die Eier nicht unabsichtlich von den Urlaubern zertreten zu werden. Zwischen Anfang August und Mitte September schlüpfen dann die kleinen Schildkröten. Es ist nicht leicht für sie, den Weg ins Wasser zu finden, denn oft werden sie vom Licht der Hotelanlagen angelockt und marschieren dann in die falsche Richtung, wo sie dann schon mal im Pool verenden oder von der Hauskatze als „Sondermahlzeit“ angesehen werden.
Aber zurück zu meinem größten Wunsch!
Letztes Jahr führte ich also Gespräche mit den jugendlichen Schützern und wurde eingeladen, auf einer Nachtwache mitzulaufen. Irgendwie klappte es aber nicht, weil mein Bett mich nicht freigeben wollte. Dieses Jahr wollte ich es aber nun endlich angehen und wollte erneut das Camp der Schützer aufsuchen. Dieses war aber verwaist. Aber ich ließ nicht locker und erfuhr, wo das neue Camp ist. Es war dichter ans Wasser auf den Campingplatz Elisabeth verlegt worden.
Nach Dienstschluss besuchte ich die Jungs und Mädels und wir machte einen Termin für den Samstag dieser Woche aus.
Am Samstag um 23:00 machte ich mich dann auf den Weg nach Stavromenus. Am El Greco stellte ich meinen Scooter ab und begab mich zum Strand. Leider hatte ich meine abgedunkelte Taschenlampe vergessen und musste mich langsam am Strand in östliche Richtung vortasten. Bei der Wanderung kam ich an Drei Discotheken vorbei, die direkt am Strand liegen. Die Besitzer haben um Gäste anzulocken, den ganzen Strand beleuchtet und gleichzeitig drang ein heftiger Technobass über den Strand.
Ich fragte mich, wie hier wohl eine Schildkröte ihre Ruhe bei der Eiablage finden sollte und meine Hoffnung auf eine Sichtung war gleich Null. Zwischen den Strandabschnitten waren immer wieder Felsformationen, die ich überklettern musste. Im Dunkeln gar nicht so leicht!
Bis 1:00 entdeckte ich nicht eine Spur einer Schildkröte. Mittlerweile war ich den Strandbereich vier mal auf und ab gelaufen und dabei ca. 8 km abgerissen. Von den Schützern hatte ich bis dahin keinen gesehen. Wo die wohl steckten?
Am Sonntag hatten wir ja den Beginn der ersten Hitzewelle und meine Kehle war wie zugeschnürt vom Laufen. Während ich durch die Dunkelheit stolpere, träumte ich von einem großen kühlen Amstel. Aber nein, schwor ich mir! Meine erhoffte erste Begegnung sollte alkoholfrei ablaufen.
Gegen 1:30 war ich dann in Höhe des Kriti Hotels (Name geändert auf Anraten der Schützer), und hatte schon jede Hoffnung aufgegeben, als ich ein eigenartiges Grunzen hörte.
Da bewegte sich doch tatsächlich keine 50m vor mir etwas im Sand. Sofort fiel ich auf die Knie und robbte langsam bis auf wenige Meter heran. Der Wind kam von vorne und so dürfte sie mich nicht riechen, sagte ich “alter Indianer” mir.Da war sie! Zirka 1,30 Durchmesser tauchten in der Dunkelheit vor mir auf. Tatsächlich, mein zweiter Kontakt nach 14 Jahren! Mein größter Wunsch wurde war!
Im Sand konte man eine tiefe Spur erkennen, die vom Wasser bis zur Niststelle führte. Die Schildkröte hatte bereits eine Kuhle von 1m Durchmesser gegraben und hatte begonnen, ihre Eier abzulegen. Ich traute mich zu keiner Bewegung, um die Karettaschildkröte nicht zu stören. Angestrengt und unter egenartigen Lauten presste sie ihre Eier in die Kuhle und schaufelte dann mit ihren Flossen wieder Sand über die Eier.
Was für ein Erlebnis! Nach 15 Minuten war das Ereignis vorbei und sie begann ihren Rückweg in Richtung Wasser.
In großen Bogen umrundete ich die Schildkröte und war dann genau vor ihr. Sie stöhnte vor Anstrengung und kam genau auf mich zu. Ein irrer Moment! Sie hob den Kopf, als wollte sie sagen, nun geh mir mal aus dem Weg. Während sie vorbeiglitt streichelte ich ihren Panzer und lauschte den Geräuschen. In dem Moment fiel mir ein, das ich mir ja vorgenommen hatte einige Bilder zu machen. Schnell griff ich meine Cam und schoss auf Ihrem Weg zum Wasser einige Bilder. Ich hoffe, die Bilder geben wenigstens etwas wieder, von diesem besonderen Moment
!
Völlig glücklich und zufrieden wanderte ich weiter und traf keine 200m weiter auf den Leiter des Schutzcamps. Er war gerade dabei, ein weiteres Gelege zu markieren, das ebenfalls in der letzten Stunde entstanden war. Ich erzählte ihm von meinem Erlebnis und gemeinsam gingen wir zurück zu „meinem Nest“, das er dann ebenfalls sicherte. Beim Anbruch der Helligkeit würde ein anderer Trupp kommen und die Eier kontrollieren und mit Datum versehen.

Eine wunderbare Nacht ging zu Ende und mein Durst übermannte mich. Gegen 3:00 fuhr ich zu einem befreundeten Rezeptzionist, der noch Zugang zur Hotelbar hatte. Bei einem kühlen Amstel erzählte er mir, wie er 1989 nach einem kleinen Techtelmechtel am Strand neben einer legenden Schildkröte aufwachte! Was doch so alles am Strand passieren kann!
In genau 55 Tagen werde ich meinen Bericht fortsetzen, wenn die kleinen Schildkröten an gleicher Stelle schlüpfen. Ich freue mich jetzt schon darauf!
In der Zwischenzeit möchte ich etwas Werbung machen für den Verein „Archelon“, der sich nur durch Spendengelder finanziert. Alle Jugendlichen und Teamleiter arbeiten in der Zeit zwischen Juni und August ehrenamtlich und ohne Bezahlung, lediglich das Essen wird den Teilnehmern im Rahmen eines Austauschprogramms gestellt.
Bitte Informieren Sie sich doch auf der Website des Vereines „Archelon“ über die Unterstützungsmöglichkeiten für den Schildkrötenschutz unter:
http://www.archelon.gr/eng/sponsoraturtle.php
Aber auch vor Ort findet man Kontakt zu den Ehrenamtlichen Helfern. In Rethymnon, an der Strandstraße, nahe dem alten Hafen steht ein Informationsstand, an dem die Mitarbeiter gerne weitere Informationen geben. Aber auch in vielen Hotels halten die Mitarbeiter Vorträge zum Schildkrötenschutzprogramm. Mit einer kleinen Spende können Sie zum Erhalt dieser bedrohten Tierart beitragen!
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